Mittwoch, 19. November 2014

Kinder – Menschen zweiter Klasse. Teil 2: Über Erziehung



Kinder werden als Menschen zweiter Klasse behandelt, meist unter dem Deckmantel, dass man ihnen Gutes tun wollte. Das Ignorieren kindlicher Gefühle beruht teilweise darauf, dass Erwachsene meinen, Kinder müssten „abgehärtet“ werden. Dabei bewirkt gerade diese Abhärtung, dass Kinder es letztlich schwerer im Leben haben. (Hier eine Studie.) Genauso soll Erziehung Kinder auf das Leben vorbereiten, aber tatsächlich findet das Gegenteil statt. Wenn wir uns permanent in das Leben unserer Kinder einmischen, entscheiden, was sie zu tun oder zu lassen haben, statt sie zu unterstützen bei ihren Entscheidungsprozessen, wenn wir sie dann auch noch für Entscheidungen belohnen oder bestrafen, dann nehmen wir ihnen Tag für Tag Selbstständigkeit und Selbstwertgefühl.

Mit diesem Bewusstsein wachsen wir jedoch nicht auf. Wir wachsen damit auf, dass Erziehung ein wichtiger Bestandteil des Erwachsenwerdens ist und es ohne nicht geht. Dass sie sogar eine noble Sache ist. Aber was genau ist Erziehung eigentlich?

Wenn ich bei Wikipedia „Erziehung“ eingebe, bekomme ich folgende Definition:
„Unter Erziehung versteht man die von Erziehungsnormen geleitete Einübung von Kindern und Jugendlichen in diejenigen körperlichen, emotionalen, charakterlichen, sozialen, intellektuellen und lebenspraktischen Kompetenzen, die in einer gegebenen Kultur bei allen Menschen vorausgesetzt werden.“ (Quelle)

Mir fällt das Wort „Erziehungsnormen“ auf, also schaue ich mir die genaue Definition dieses Wortes auch einmal an:

„Eine Erziehungsnorm ist ein überindividuelles Wertprinzip bzw. eine soziale Norm, die festlegt, wie die Erziehung von Kindern und Jugendlichen erfolgen soll.“ (Quelle)

Wer legt diese Norm fest? Wer sagt, wie der Umgang mit Heranwachsenden erfolgen soll? Ich weiß nicht, wie es anderen damit geht, aber ich folge ungern Normen, sondern folge lieber einer Mischung aus meinem Verstand, meinem Gefühl, meinen Erfahrungen und meiner Recherche. Und ich wünsche mir, dass es meine Kinder später ebenso tun. Doch wie sollen sie das lernen, wenn ich ihnen das Gegenteil vorlebe und mich bei meinem Umgang mit ihnen an Normen orientiere? Wenn ich mir wünsche, dass meine Kinder ihre Umgebung kritisch hinterfragen und eigenständige Entscheidungen treffen, sollte ich damit bei mir selbst beginnen. Das Hinterfragen von Erziehungsnormen ist somit einer der ersten Schritte. Nun denken wir meist, dass wir unsere Entscheidungen treffen, was den Umgang mit unseren Kindern umgeht. Aber ist dem wirklich so?

Ich denke, gerade weil die meisten von uns nach Normen erzogen wurden, fällt es uns so schwer herauszufinden, was wir eigentlich unabhängig von anderen denken und fühlen, und dem entsprechend zu handeln. Unsere Eltern bzw. Bezugspersonen wissen sehr wahrscheinlich noch nicht einmal, wer sie eigentlich im Kern sind, geschweige denn konnten sie uns vorleben, wie man ein wirklich eigenständiges Leben führt. Es ist ein Teufelskreis, der von Generation zu Generation seine Runden nimmt.

Wir wurden als Kinder in „körperlichen, emotionalen, charakterlichen, sozialen, intellektuellen und lebenspraktischen Kompetenzen“ „eingeübt“ und sollen dies nun wiederum an unsere Kinder weitergeben. Dass Erziehung, dass diese „Einübung“ nötig sein soll, dem unterliegt der Glaube, dass wir ohne diese Einübung nie entsprechende Kompetenzen entwickeln würden oder nicht im ausreichenden Maße. Die aufgelisteten Kompetenzen sind tatsächlich sehr, sehr wichtig nicht nur um ein zufriedenstellendes Leben zu führen, sondern um überhaupt zu überleben. Und weil diese Kompetenzen überlebenswichtig sind, würde ich folgende These in den Raum stellen: Wir entwickeln diese Kompetenzen bis zu einem gewissen Grad nicht durch die Einübung durch unsere Bezugspersonen, sondern trotz dieser Einübung. Wir erwerben sie durch Beobachtung und Nachahmung.

Kommunikation und künstliche Konsequenzen in der Form von Bestrafung und Belohnung sind nicht sehr effektive Strategien, um überlebenswichtige Fähigkeiten zu vermitteln. In den ersten Jahren verstehen Menschen diese Strategien überhaupt nicht oder nur sehr eingeschränkt, und selbst danach braucht es noch viele Jahre, um Sprache und künstliche Konsequenzen wirklich einordnen zu können. Sie lösen eine emotionale Reaktion in uns aus, die wir dann je nach dem entweder vermeiden oder auslösen wollen, aber sie bringen uns nicht wirklich bei, wie man (über)lebt. Es ist eine viel sicherere Überlebensstrategie, unsere Bezugspersonen zu beobachten und ihre Verhaltensweisen zu imitieren, denn immerhin haben diese bereits einige Jahre überlebt. Doch genau so entstehen diese Kreisläufe, bei denen die Macken von einer Generation zur nächsten getragen werden, weil wir nun einmal auf Nachahmung programmiert sind.

Wir sind soziale Wesen, und somit sichern soziale Kompetenzen unser Überleben. Dennoch scheint unser Umgang mit Kindern dem Glauben zu unterliegen, dass wir Menschen so, wie wir sind, nicht gut, nicht sozial sind und wir deswegen darin eingeübt, trainiert, dazu erzogen werden müssen, gut und sozial zu sein. Wenn Eltern ihre Kinder lange stillen (wollen), mit ihnen im Familienbett schlafen (wollen) und sie in Trage oder Tuch tragen (wollen), hagelt es häufig Kommentare wie „Der manipuliert euch!“ „Sie wird ewig bei euch im Bett schlafen.“ „Ihr werdet ihn nie wieder los!“ „So wird sie doch nie laufen lernen!“ Menschen scheinen davon auszugehen, dass wir als manipulative, faule Wesen geboren werden, die kein selbstbestimmtes Leben anstreben. Dabei spricht absolut nichts für diesen Glauben.

Im Gegenteil, diverse Studien (z. B. hier) belegen, dass wir Menschen danach streben kooperativ zu handeln. Und das ist auch nicht verwunderlich, denn es ist schwierig, einen stabilen sozialen Verband zu bilden, wenn die Teile des Verbandes Kooperation nicht so prickelnd finden.

Trotz all dem werden Heranwachsende wie Menschen zweiter Klasse behandelt, die zu einem Leben in der ersten Klasse zunächst einmal zurecht „gezogen“ werden müssen. Was macht das mit ihnen? Was hat es mit uns in unserer eigenen Kindheit gemacht? Wenn wir davon ausgehen, dass Menschen so, wie sie sind, nicht gut sind und erst gut „gemacht“ werden müssen, geben wir jungen Menschen permanent genau dieses Gefühl: Ich bin nicht gut, so wie ich bin. Dieses Selbstverständnis hat eine sehr zerstörerische Wirkung und beeinflusst Menschen jahrzehntelang, meist ihr Leben lang. Dieses Gefühl bewirkt Scham, eine Emotion, die bis zu einem gewissen Rahmen eine sinnvolle Aufgabe erfüllt, aber in dem Maß, mit dem die meisten von uns aufwachsen, wirkt Scham zerstörend auf unsere Psyche und mitunter auch auf unseren Körper. Diese zerstörerische Wirkung, entstehend durch Erziehung, bewirkt das Gegenteil dessen, was Erziehung eigentlich bewirken soll: Die Scham, die wir mit uns tragen, erschwert uns das Leben.

Zum Thema Scham wird es hier einen ausführlichen Artikel geben, aber zunächst möchte ich nächste Woche eine Alternative zur Erziehung vorstellen: Unerzogen.

Mittwoch, 12. November 2014

Kinder – Menschen zweiter Klasse. Teil 1: Über den Umgang mit kindlichen Gefühlen

 
Jimmy Kimmel, ein us-amerikanischer Comedian und Late-Night-Show-Host, hat dieses Jahr wieder Eltern darum gebeten, ihren Kinder zu sagen, dass sie ihre gesamten Halloween-Süßigkeiten aufgegessen hätten, um dann die Reaktion auf Video aufnehmen und auf YouTube stellen zu können. Die Reaktionen der Kinder sind in den meisten Fällen sehr emotional, die Kinder sind wütend und traurig und können ihre Gefühle selten kontrollieren. Das ganze dient dann der Unterhaltung bei Jimmy Kimmels Show.

Ich muss gestehen, dass ich bei der gleichen Aktion letztes Jahr teilweise mein Lachen nicht verkneifen konnte. Gleichzeitig hatte ich ein sehr schlechtes Gewissen deswegen. Ich kann mich nur zu gut daran erinnern, wie weh es tat, wenn Erwachsene sich über mich lustig machten, als ich noch eine Heranwachsende war, wenn sie mich und meine Gefühle und Wünsche und Träume nicht nur nicht ernst nahmen, sondern mich dafür aufzogen.

Wenn ein Kind sich verletzt und weint, heißt es schnell „Es ist nichts passiert.“ Diese Aussage klingt erst einmal harmlos, und ich selbst habe sie lange nicht hinterfragt. Aber durch den Austausch mit anderen wurde mir deutlich, was diese Aussage eigentlich transportiert. Sie untergräbt die Gefühlswelt der Kleinen, denn wenn sie weinen, ist etwas passiert. Auch wenn sie sich körperlich nicht verletzt haben sollten, so haben sie sich zumindest erschreckt. Sie haben für einen kurzen Moment geglaubt, dass sie sich verletzen würden, und somit läuft meistens die gleiche körperliche Reaktion ab, wie wenn eine körperliche Verletzung stattgefunden hätte.

Als ich im schwangeren Zustand zwei Treppenstufen runterrutschte und auf dem Po landete, war körperlich nichts passiert außer einem Schmerz am Po. Ich hatte mich jedoch gewaltig erschreckt, hatte Angst um mein Kind, und auch wenn es kurz darauf sich fit wie immer in meinem Bauch bewegte, pochte mein Herz immer noch, das Adrenalin wurde ausgeschüttet, und ich musste weinen. Wenn jetzt eine Freundin zu mir gesagt hätte, „Es ist nichts passiert.“, hätte mich das zumindest sehr verletzt. Denn dieser Mensch, der mir nahe steht, ignoriert meine Gefühle, meine Angst, und weiß eigentlich auch nicht einmal sicher, ob nicht vielleicht doch auch körperlich etwas passiert war.

Würden geliebte Menschen regelmäßig uns und unsere Gefühle verharmlosen, würden wir uns schnell zumindest nicht mehr wohl und sicher bei ihnen fühlen, wenn nicht sogar keinen Kontakt mehr zu ihnen pflegen wollen. Aber bei Kindern scheinen solche Äußerungen okay zu sein. Und es bleibt meist auch nicht nur bei dieser Äußerung. Wenn wir denken und sagen, dass dem Kind nichts passiert sei, dann verhalten wir uns auch entsprechend. Wir spenden nicht den Trost, den das Kind sich eigentlich wünscht. Wir sind kühler und abweisender in unserer Reaktion.

Dabei ist die Aussage, dass nichts passiert sei, noch relativ harmlos im Vergleich zu anderen Äußerungen, die man z.B. auf dem Spielplatz ständig hören kann. „Du übertreibst.“ „Was weinst du schon wieder?“ „Kleiner Schauspieler.“ Es scheint zum Alltag zu gehören, dass die Gefühle von Kindern nicht ernst genommen werden. Und genau darauf basiert Jimmy Kimmels „witzige“ Idee.

Durch dieses Video wird noch so viel mehr transportiert. Viele Erwachsene wundern sich darüber, dass die Kinder so reagieren, und schieben es auf die Zuckersucht. Auch wenn Zucker abhängig machen kann (Link), glaube ich nicht, dass die Reaktion der Kinder damit (allein) erklärt werden kann.

Man muss sich nur mal vorstellen, der*die Partner*in würde einem sagen, er*sie hätte den gesamten Lohn von einem selbst für unnütze Gegenstände verprasst. Ich glaube, die wenigsten könnten da ruhig reagieren. Denn das würde einen gravierenden Vertrauensmissbrauch seitens geliebter Menschen bedeuten. Nicht anders sieht es da bei den Kindern aus. Sie haben sich das ganze Jahr auf diese Tradition gefreut, sie haben sich die Süßigkeiten erarbeitet, und nun haben geliebte Menschen ihr Vertrauen missbraucht und ihnen die Süßigkeiten und damit einen Teil der Tradition und der Freude weggenommen. Und es sind nicht einmal gleichwertige geliebte Menschen, denen nur einmal ein Fehler unterlaufen ist, sondern es sind Menschen, die Tag für Tag über einen bestimmen. Und jetzt nehmen sie einem auch das noch weg.

Dazu kommt noch, dass die meisten dieser Kinder wahrscheinlich das Jahr über stark bezüglich Süßigkeiten und Essen allgemein reglementiert werden. Weil wir Erwachsenen glauben, dass Heranwachsende sich nicht selbst regulieren könnten. Es stimmt zwar, dass Selbstregulation etwas ist, das Menschen mit den Jahren lernen, aber wie sollen wir Selbstregulation lernen, wenn wir nie die Gelegenheit haben, sie zu praktizieren, sondern stattdessen als Kind permanent von Erwachsenen reguliert werden?

Meine Beobachtung ist, dass gerade bezüglich Ernährung die Fähigkeit zur Selbstregulation schon recht früh ganz gut entwickelt ist. Aber bei den meisten Kindern wird diese Fähigkeit durch ständige Fremdregulation zerstört. Und gewisse Lebensmittel werden gerade dadurch, dass sie zur Seltenheit gemacht werden, besonders attraktiv. Ich kann mich nur zu gut daran erinnern, wie ich nach Feiertagen all die geschenkten Süßigkeiten innerhalb eines Tages, wenn nicht sogar innerhalb weniger Stunden, aufgegessen hatte. Etwas, was ich jetzt nicht mehr kann, weil ich mich seit meinem Auszug in Selbstregulation übe.

Wenn es um Emotionen geht, ist Selbstregulation noch um einiges komplexer und schwieriger. Die Entwicklung dieser Fähigkeit braucht Jahre, aber auch die Unterstützung der Bezugspersonen. Weil letztere Mangelware ist, können die meisten Erwachsenen ihre Emotionen immer noch nicht regulieren. Wir haben gelernt, unsere Gefühle zu verstecken, auch vor uns selbst, aber die meisten von uns können sie nicht regulieren. Regulieren hieße in dem Fall: Die Gefühle wahrnehmen, sie liebevoll annehmen, ihre Ursachen urteilsfrei zu ergründen und, wenn nötig, über Lösungs-/Umgangsstrategien nachzudenken. Das ist eine Kunst. Eine Kunst, die wir lernen müssten, indem unsere Eltern ihre eigenen, unsere und die Emotionen anderer so oft wie möglich ebenso behandeln: Wahrnehmen, annehmen, ergründen, Lösungen finden.

Aber meistens scheitert es schon in der ersten Etappe. Die Gefühle werden geleugnet. Und sollten sie doch wahrgenommen werden, so werden sie nicht angenommen. Wenn überhaupt nach Ursachen gesucht wird, werden diese schnell bewertet. Zu Lösungs-/Umgangsstrategien kommt es extrem selten. Vorher wurde schon geschrien, geflucht und bestraft, und es ist somit kaum möglich, doch noch zu einem konstruktivem Gespräch zusammenzukommen.

Ich beschäftige mich viel mit sogenannten psychischen „Störungen“, wobei ich sie eher als Lernschwierigkeiten und Schutzmechanismen bezeichne, und ich habe den Eindruck, dass unter anderem die mangelnde Fähigkeit zur Selbstregulation vielen zu Grunde liegt. Dies und mangelnde Liebe kombiniert mit Scham würde ich sogar als die Ursache der Schwierigkeiten sehen, unter denen die meisten Menschen leiden.

Wie könnte diese Welt sich ändern, wenn wir die Gefühle von Kindern endlich respektieren würden? Ich denke, dass dies eine deutlich glücklichere Welt wäre, und somit beginne ich bei mir und meinen Gefühlen, bei meinem Sohn und seinen Gefühlen und bei den Gefühlen meiner Mitmenschen. Es ist ein langwieriger Prozess, ich mache Fehler, und es erfordert viel Kraft. Aber diese Arbeit ist so viel wert. Ich kann meinem Sohn durch diese Arbeit sehr viel Leid ersparen.

Wahrnehmen, annehmen, ergründen, Lösungen finden.

Mittwoch, 5. November 2014

Stoffwindeln – Eine Einführung für Umweltbewusste



Mein Kleiner ist nun 13,5 Monate alt und ebenso lange nutze ich Stoffwindeln. Ich bin absolut glücklich damit und möchte euch gerne an meiner Freude mit den Stoffies teilhaben lassen. Ich möchte hier die Vorteile und auch Nachteile von Stoffwindeln auflisten, meine Tipps teilen, durch die Stoffwindeln noch umweltfreundlicher sein können, euch ein paar Tipps für den Einstieg geben, wie auch Tipps für schmalen Geldbeutel. Da es bereits einige gute und ausführliche Artikel zum Thema Stoffwindeln gibt, werde ich auf einige Sachen nur oberflächlich eingehen und euch dafür aber Links zu den entsprechenden Webseiten geben.

 

Die Vorteile von Stoffwindeln


Umweltfreundlichkeit ist meine Hauptmotivation. Nun kennen von euch einige vielleicht Vergleiche aus den Medien, in denen es heißt, dass Stoffwindeln nicht umweltfreundlicher seien, oder ihr fragt euch selbst, wie das mit all dem Wasser und den Stromkosten ist. Nun, die Vergleiche in den Medien haben einige Schwachstellen. Zunächst einmal sind die Vergleiche nur für ein einziges Kind berechnet. Allerdings kann man mit qualitativ hochwertigen Windeln 23 Kinder wickeln oder die Windeln an andere Kinder weitergeben bzw. weiterverkaufen. Bei Wegwerfwindeln wird die durchschnittliche Anzahl an Windeln, die ein Kind braucht, etwa 6000 Windeln, multipliziert mit der Anzahl der Kinder, und somit haben wir dann schon 12.000 bzw. 18.000 Windeln bzw. 23 Tonnen. Dadurch sind die Herstellungskosten von Stoffwindeln bei 23 Kindern noch einmal um einiges geringer als die von Wegwerfwindeln.

Der Müllberg von Stoffwindeln beträgt ebenso lediglich einen Bruchteil. 6000 Wegwerwindeln sind etwa eine Tonne Müll. Bei 23 Babies dürfen wir diese Tonne allerdings wieder multiplizieren. Ich wünsche mir mehrere Kinder, aber ich möchte für diese Kinder nicht je eine Tonne Müll nur für Windeln in die Welt setzen. Ein Müll, der 100500 Jahre braucht, um abgebaut zu werden, und somit nicht nur die Welt meiner Kinder belastet, sondern noch die vieler Generationen danach. Allein in den USA. landen 3.590.000 Tonnen Wegwerfwindeln jährlich im Müll.

Selbst wenn die Wasser- und Stromrechnung im Vergleich zu Wegwerfwindeln nicht so günstig ausfallen würde, wäre der Müllhaufen, den ich vermeiden kann, bereits ein ausschlaggebender Punkt für mich. Man könnte die Rechnung bei den Wegwerfwindeln durch Bio-Windeln und möglichst große Wickelintervalle zwar positiv beeinflussen, das ginge dann jedoch ins Geld bzw. ginge auf Kosten des Sauberwerdens (bzw. Sauberseins) und der Hautgesundheit. (Siehe unten.)

Wie ist das aber nun mit dem Wasser- und Stromverbrauch? Das ist eine Sache, die sehr stark von den individuellen Entscheidungen abhängt. Bei den Vergleichen in den Medien scheint damit gerechnet zu werden, dass die Stoffwindeln immer bei 6090 °C gewaschen werden, mit konventionellem Waschmittel, und oft wird noch berechnet, dass ein Trockner benutzt werden würde. Das alles muss aber nicht so laufen, und da sehe ich wieder einen großen Vorteil bei den Stoffwindeln: Ich kann aktiv daran mitwirken, dass sie noch umweltfreundlicher sind. (Meine Tipps dazu weiter unten.)

Der finanzielle Faktor ist für viele, auch für mich, ein weiteres großes Plus von Stoffwindeln. http://www.schickgewickelt.de hat das ganze inklusive Waschkosten einmal durchgerechnet. und ist dabei auf eine Ersparnis von 675 € gekommen bei einem Kind. Danach können die Windeln entweder zu einem guten Wiederverkaufswert verkauft oder für das nächste eigene Kind benutzt werden, wodurch die Ersparnis schon bei 1000 € liegen würde. Sollten die Windeln noch eine dritte Runde mitmachen, lässt sich entsprechend noch mehr Geld sparen. Auch im Einkauf lässt sich je nach Windelsystem oder -marke viel machen. Hybrid- und Höschenwindeln sparen da das meiste Geld. Ich habe fast alle meine Windeln gebraucht gekauft und dabei nach günstigen Angeboten Ausschau gehalten.

Weitere Vorteile von Stoffwindeln sind:
  • Anhockspreizhaltung wird in den ersten Monaten gewährleistet und fördert somit die Hüftentwicklung des Babies.
  • In einer Stoffwindel ist es etwa um 2 Grad Celsius kühler als in einer Wegwerfwindel, wodurch Bakterien etc. schlechter florieren können und was sich auch positiv auf die Hoden von Jungs auswirkt.
  • Stoffwindel sind besser belüftet, wodurch es Bakterien und Co. ebenfalls schwieriger gemacht wird, Fuß zu fassen.
  • Es heißt, dass Babies mit Stoffwindeln früher sauber werden. Eine Studie gibt es dazu meines Wissens nach nicht, aber in Anbetracht dessen, dass sowohl Eltern als auch Kind besser spüren, wann die Windel nass ist, kann ich mir das sehr gut vorstellen.
  • Es heißt auch, dass mit Stoff gewickelte Kinder besser in der Trage/im Tragetuch sitzen.
  • Man muss nicht ständig daran denken, neue Windeln zu kaufen bzw. zu bestellen. Entsprechend muss man keine Pakete schleppen oder vom Klingeln des Paketmenschen gestört werden. ;)

Die Nachteile

  •     Auch wenn Stoffwindeln letztlich Geld sparen, ist das natürlich eine stolze Summe, die auf einmal gezahlt werden müsste im Unterschied zu den jeweils kleinen Kosten von ein paar Paketen Wegwerfwindeln. Es gibt dennoch Möglichkeiten, sich Stoffwindeln zu leisten, auch wenn ihr diese Summe nicht auf einmal zur Verfügung habt, aber gerne mit Stoffwindeln wickeln möchtet:
    • Man kann sich zunächst einmal die günstigste Variante zulegen: Mullwindeln und zwei bis drei Überhosen. Für die ersten Wochen empfiehlt sich das ohnehin, da viele Windelarten da noch zu groß sind.
    • Man kann bereits während der Schwangerschaft damit beginnen, sich jeden Monat einen Teil des Windelpaketes zu kaufen. Ein bis zwei teurere Windeln würden neu 2550 Euro kosten, eine Summe, die jeden Monat fur die meisten erreicht werden kann. Auf ebay-Kleinanzeigen gibt es manchmal Angebote für fünf gebrauchte Windeln für 4050 Euro. 
    • In manchen Städten gibt es einen Windelzuschuss, da immer mehr Städte Bürger*innen dabei unterstützen wollen, sich Stoffwindeln zu kaufen, damit die Stadt wiederum an Müllkosten sparen kann. Es lohnt sich also auf jeden Fall, sich darüber zu informieren, ob die eigene Stadt so etwas anbietet. 
    • Einige Stoffwindel-Shops bieten Ratenkauf an. Desweiteren bieten viele Shops Rabatt auf größere Mengen an, sodass man sich mit Freund*innen zusammentun könnte, um Geld zu sparen.
  • Man muss immer wieder daran denken, die Windeln rechtzeitig zu waschen, aufzuhängen und einzuräumen. Das ist jedoch keine so große Zeitinvestition, wie viele denken. Ich brauche fünf Minuten, um die Wäsche in die Maschine zu tun, 1015 Minuten, um sie aufzuhängen, und noch einmal 1015 Minuten, um sie zusammenzulegen und einzuräumen. Ich wasche Spucktücher, Babyklamotten, Babydecken usw. dabei meistens mit. Als ich noch nicht so viele Windeln hatte, musste ich konsequent jeden zweiten Tag waschen. Weil ich da mehr Entspannung wollte, habe ich mir weitere Windeln gekauft, vor allem ein paar Hybridwindeln, so dass ich nur noch jeden 3.4. Tag waschen muss. Wenn es mit Ausscheidungskommunikation/Windelfrei gerade besser läuft, genügt auch einmal pro Woche. Um es zusammenzufassen: Windelnwaschen ist eine Gewohnheitssache. Am Anfang habe ich es noch öfter vergessen und dann behelfsmäßig mit Mullwindeln gewickelt oder mich gezwungenermaßen mehr auf seine Ausscheidungssignale konzentriert, aber mit den Wochen ist mir das Waschen ins Blut übergegangen, und ich empfinde es oft als eine willkommene Abwechslung.

Wie Stoffwindeln umweltfeundlicher sein können

  • Ich kombiniere Stoffwindeln mit Windelfrei bzw. Ausscheidungskommunikation (AK) und kann es nur empfehlen. Die Kombination aus Stoffies und Windelfrei/AK ist stressfreier umzusetzen, als wenn man versucht, ausschließlich Windelfrei zu praktizieren. Bei uns landen seit Geburt etwa 95% des großen Geschäfts im Töpfchen und auch immer mehr kleine Geschäfte. Ich muss die Windeln entsprechend selten auswaschen.
  • Ich wasche meistens bei 40 °C. Zum einen, weil Stuhl selten darin landet, und wenn doch, wird er vorher ausgeduscht. Zum anderen leistet das Waschmittel bereits seinen Beitrag in Sachen Hygiene, so dass 60 oder mehr °C selten nötig sind.
  • Die meisten Eltern lagern benutzte Windeln in einer geschlossenen Tonne, aber ich kann nur empfehlen, die Windeln luftig aufzuhängen, wenn dies möglich ist, also wenn ihr z.B. einen Balkon oder Keller habt. Durch die Belüftung entwickeln sich weniger Bakterien, und entsprechend entsteht weniger Geruch, wodurch wiederum weniger Waschmittel und weniger Wasser nötig sind. Bei starkem Geruch wird üblicherweise empfohlen, die Windeln zunächst kalt in einem Kurzwaschgang zu waschen, um Urin und gegebenenfalls Stuhl schon einmal auszuspülen, und danach dann noch einen richtigen Waschgang zu starten. Der erste Schritt ist bei luftgetrockneten benutzten Windeln (ohne Stuhl) sehr selten nötig.
  • Das Waschmittel sollte natürlich ökologisch sein. Insbesondere kann ich selbstgemachtes Waschmittel empfehlen, z.B. nach Billes Rezept. Es besteht nur aus (veganer) Bio-Kernseife, Soda und Wasser. Hier gibt es einen Link zu palmölfreier Kernseife. Aus einem Stück Kernseife kann man 5 große Portionen Waschmittel herstellen, was somit sehr viel günstiger ist als das teure ökologische Waschmittel. Aber es ist auch umweltfreundlicher: Zum einen sind die Inhaltsstoffe sehr übersichtlich und umweltfreundlich. Zum anderen kann man dadurch vieles an Verpackungsmaterialien sparen, da für Kernseife und Soda zur Waschmitteleigenproduktion für die gleiche Waschmittelmenge deutlich weniger Verpackungsmaterial anfällt als für gekauftes Waschmittel. Übrigens kann man auch Kernseife aus Raps- oder Olivelöl und Natriumhydroxid selbst herstellen.
  • Durch zumindest teilweise Nutzung eines Hybridsystems oder von Höschenwindeln lassen sich sowohl Material als auch Wasser, Waschmittel und Strom sparen. Bei diesen Windeln ist es möglich, nur einen Teil der Windel zu wechseln statt der gesamten Windel. Der innere Teil kann gewechselt werden, während der äußere Teil bzw. die äußeren Teile mehrfach verwendet werden können. Somit muss weniger Masse gewaschen werden. (Einen Link zu den verschiedenen Windelsystemen gibt es unten.)
  • Nicht nur das Windelsystem spielt eine Rolle, sondern auch Marke, Produktionsort und Material. So gibt es Windelhersteller*innen, die möglichst umweltfreundlich produzieren, auf der einen Seite, auf der anderen Seite Billig-Windeln, die in Ländern hergestellt werden, in denen es keine starken Kontrollen gibt bzgl. unter anderem der Umweltbelastung.
  • Durch die Wahl der Waschmaschine kann selbstverständlich ebenfalls viel Strom und Wasser gespart werden. Bei einem Neukauf sollte die Waschmaschine nicht nur stromsparend sein, sondern auch über eine gute Spülfunktion verfügen und die Wassermenge an das Gewicht des Gewaschenen anpassen.
  • Und natürlich spielt auch die Wahl des Stromanbieters eine große Rolle Ökostrom lässt grüßen.

 

Generelle Tipps zum Einstieg:

  • Zunächst einmal könnt ihr die Links unten studieren, um euch einen Überblick zu verschaffen. Macht euch bitte keine Sorgen, wenn ihr zunächst nichts versteht. So ging es mir auch, aber Klarheit wird allmählich entstehen. ;)
  • Wenn es dann an den Kauf geht, würde ich empfehlen, sich nicht gleich 25 Windeln einer Sorte zu kaufen, sondern verschiedene Windelsyteme/-marken auszuprobieren. Diese kann man gebraucht kaufen, man kann sich aber auch ein Testpaket bei diversen Online-Shops bestellen.
  • Viele nutzen so wie auch ich gerne verschiedene Systeme. Ich habe Windeln, die besonders lange dicht halten, Windeln, die schnell trocknen (immer gut, ein paar davon zu haben, falls man das mit dem Waschen mal verpeilt), Windeln, die flexibler sind und mehr Bewegungsfreiheit geben, Hybridwindeln zum Wäsche sparen bzw. für die Reise, und ja, auch welche, die einfach hübsch aussehen, weil ich auf diese Art und Weise gerne Werbung für Stoffies mache. :)
  • Hilfeiches Zubehör ist:
    • Wetbags: In diesen könnt ihr unterwegs eure gebrauchten Windeln geruchsdicht verpacken.
    • Wäschenetz: Viele nutzen ein großes Wäschenetz, das sie in die Windeltonne tun, um dieses mit all den Windeln mit einem Handgriff in die Wäsche befördern zu können.
    • Windelvlies: Das sind dünne Einmal-Einlagen aus Papiervlies. Diese fangen einen Großteil des Stuhls auf und können in der Toilette beseitigt werden. Wenn nur Pipi in ihnen landet, kann man sie sogar ein- bis zweimal mitwaschen und wiederverwenden.
    • Windelfleece: Sorgt durch die Namensähnlichkeit oft für Verwirrung. Es besteht aus Fleece-Stoff und ist eine Einlage, die die Feuchtigkeit von der Haut wegtransportiert und somit dafür sorgt, dass der Intimbereich möglichst trocken bleibt. Fleece und Mikrofaser stehen allerdings in der Kritik, da winzige Fasern sich beim Waschen lösen, nicht geklärt werden können und somit in die Meere gelangen. (Quelle
  • Wenn ihr Fragen oder Schwierigkeiten habt, könnt ihr euch im Internet mit anderen austauschen. Es gibt z.B. auf Facebook die Gruppe „Stoffwindel-Chat“ oder außerhalb von Facebook hier ein Forum.
  • Noch ein kleiner Tipp von mir: Mit der Massageeinstellung des Duschsstrahls kann man Stuhl sehr gut und bequem aus der Windel spülen. Empfehlenswert ist es, das direkt im Klo zu tun. Sollte der Duschschlauch zu kurz sein, kann ein längerer angebracht werden.

 

Und nun einige Links zur Weiterbildung:
 

So, das war es erst einmal von mir. Wenn ihr noch Links habt, die ihr dem hinzufügen wollt, oder Fragen und Anregungen habt, hinterlasst mir gerne einen Kommentar!

Mittwoch, 16. Juli 2014

Warum Familienbefreiung?

Mein Geburtsbericht soll auf diesem Blog nicht mehr einsam und verlassen dastehen. Weitere Posts sollen sich allmählich hinzugesellen.

Manche fragen sich vielleicht, warum dieser Blog Family Liberation, Familienbefreiung, heißt, und ich möchte darauf nun näher eingehen. Da ich in der Tier- und Totalbefreiungsbewegung aktiv bin, war es für mich naheliegend, all die Themen, die mir in Bezug auf Familienleben so am Herzen liegen, unter dem Begriff Familienbefreiung zusammenzufassen. Für Menschen, die sich unter Tier- bzw. Totalbfreiung nichts vorstellen können, möchte ich diese Begriffe kurz anreißen. Tierbefreiung in Bezug auf die Bewegung heißt nicht (nur), dass einzelne nicht-menschliche Tiere aus Käfigen befreit werden, sondern bezieht sich auf die Befreiung der nicht-menschlichen Tiere aus ihrer derzeitigen Stellung in der Gesellschaft. Wir leben in einer selbstgeschaffenen Hierarchie, in der wir die n.-m. Tiere unter uns gestellt haben. Diskriminierungsverhältnisse ergeben sich aus Hierarchie und der durch sie geschaffenen Macht der einen über die anderen. Die Antworten auf diese Diskriminierungen sind diverse Befreiungsbewegungen, wie die Antisegregationsbewegung, die Frauenbewegung, oder die LGBTQ*Bewegung. Total Liberation, Totalbefreiung bezeichnet dabei die Bewegung, die die Überwindung aller Formen von Diskriminierung, Ausbeutung und Herrschaft anstrebt.

Die Kinder- und Jugendbewegung scheint zumindest hierzulande eingeschlafen zu sein. Eine breitgefächerte Familienbewegung scheint es gar nicht erst zu geben. Ich halte diese Bewegungen für sehr wichtig, jedoch werden beide Themen in diversen anderen Befreiungsbewegungen stark vernachlässigt. Dabei werden wir in unserer Kindheit und Jugend geprägt, und diese Prägung rückgängig zu machen, ist sehr schwierig. Die meisten von uns wachsen in hierarchischen Strukturen mit ihren Eltern auf und lernen dadurch von Anfang an, das zu tun, was gewisse Menschen, die über uns zu stehen scheinen, uns auftragen. In dieser Gesellschaft wird bedingungslose Liebe vorenthalten, und stattdessen werden wir darauf getrimmt, uns die nötige Bestätigung anderweitig zu holen. Durch Gehorsam, durch Fleiß, durch Leistung. Im Betreuungs- und Schulsystem werden diese Muster verstärkt, und schließlich folgen wir gewissen Autoritätsfiguren, weil sie in uns das triggern, nach dem wir uns seit unserem ersten Lebenstag sehnen: Bestätigung, Anerkennung, Liebe. 

Ich glaube, dass diverse Unterdrückungsmechanismen nicht mehr funktionieren, wenn Menschen durch eine entsprechende Kindheit keine Bestätigung von außen mehr suchen müssen, sondern diese Bestätigung dafür, dass sie liebenswert und gut sind, von Anfang an genießen durften, und so für sich selbst und andere (ein)stehen können. Und deswegen finde ich es fatal, dass die Bereiche Kinder- und Familienbefreiung derzeit stark vernachlässigt werden.

Mein Wunsch ist es, dass diese Bewegungen (wieder-)entstehen, um all die darin enthaltenen Aspekte weiter zu verbreiten. Familienbefreiung meint somit die Befreiung der Familie aus gesellschaftlichen Zwängen, aus Macht- und Herrschaftsverhältnissen.

Nun soll dies kein rein theoretischer Blog werden, sondern auch viel Praktisches enthalten zu dem Thema, wie Familien sich befreien können. Wobei ich das Wort Familie im weiteren Sinne meine, und mich sehr darüber freuen würde, wenn nicht nur (werdene) Eltern hier interessante Inhalte finden können.

Aspekte der Familienbefreiung sind für mich und über folgende Themen möchte ich hier gerne schreiben:

freie Geburtsentscheidung und Freiheit während der Geburt
Kinder- und Jugendbefreiung, und damit zusammenhängend friedlicher Umgang von Eltern und Kindern ohne Manipulation, Machtmissbrauch etc.
bedürfnisgerechter Umgang mit Heranwachsenden; Stichworte dazu: Stillen nach Bedarf, Getragenwerden, Windelfrei/Ausscheidungskommunikation, gewaltfreie Kommunikation usw.
freies Lernen und Schulkritik
Befreiung nicht nur der Frau, sondern auch der Mutter und ebenso des Vaters von Rollenklischees, sozialem Druck, Diskriminierung etc.

alternative Familienkonzepte

ökologisch bewusstes Familienleben; Stichworte dazu: Upcycling, 2nd Hand, Do it Yourself, ökologisch bewusste Alternativen zu Gebrauchsgegenständen, wie z.B. Stoffwindeln, usw.

gesundheitsbewusstes Familienleben

friedliches, hierarchievermeidendes Miteinander auch mit nicht-menschlichen Mitbewohner*innen

friedlicher, nicht diskriminierender Umgang mit allen nicht-menschlichen Lebewesen

Dies sind die Aspekte, die ich persönlich aktuell im Fokus habe. Da es aber sicherlich noch viele mehr gibt, möchte ich euch hiermit dazu einladen, mir in den Kommentaren zu schreiben, was euch noch alles einfällt und wichtig ist zum Thema Familie! 

Und hier noch weiterführende Lektüre:

von Tierrechten zur Tierbefreiung: http://berta-online.org/?page_id=60

Montag, 25. November 2013

Bericht über die Alleingeburt unseres ersten Kindes

Im September 2013 wurde unser erstes Kind um 8:32 Uhr zu Hause und unassistiert (außer durch die Hilfe meines Partners) geboren. Den ausführlichen Geburtsbericht dazu gibt es jetzt hier, inklusive den Anzeichen zuvor und den Stunden danach. Der Bericht über die Geburt an sich geht nach dem ersten Bild los und bis zum zweiten Bild.
Die Eckdaten für alle, die sie interessieren: Geburt war elf Tage vor errechnetem Termin und dauerte fünf Stunden. N. war 49 cm groß, 3200 g schwer und hatte einen Kopfumfang von 33 cm.

Zuerst einmal: Auch wenn es eine sogenannte Alleingeburt war, war sie dennoch nicht komplett angst- und schmerzfrei. Denn selbst, wenn keine fremden Menschen da sind, die mich stören könnten, so ist doch immer noch mein Kopf da, und den umzuprogrammieren ist nicht so leicht. Ich hatte vorher schon daran gedacht und versucht, soweit möglich daran zu arbeiten.
Aber auf gar keinen Fall war die Geburt schrecklich! Nein, sie war sehr schön, und ich freue mich auf die nächste Geburt, die sicherlich noch schöner wird, weil ich jetzt das nötige Selbstbewusstsein und -vertrauen habe.
Und noch eine kleine Warnung: Stuhlgang und Co. gehören zur Geburt, können Zeichen bzgl. des Geburtsfortschritts sein, und entsprechend werde ich darüber nicht schweigen. Tabuisierung führt zur Verspannung während der Geburt, und das kann keine Frau gebrauchen! Ich möchte es da lieber wie Ina May Gaskin halten: Den Ausscheidungen mit Entspanntheit begegnen.

Ich hole etwas weiter aus: Bereits etwa drei Wochen vor der Geburt ging es bei mir mit einer inneren Nervosität los, und ein- bis zweimal am Tag hatte ich kurze Vorwellen, die sich wie Periodenschmerzen anfühlten und etwa 10–20 Minuten andauerten. Mir wurde durch die Nervosität bewusst, dass ich mich noch nicht ausreichend auf eine Alleingeburt vorbereitet fühlte, und so habe ich mich nochmals intensiv damit beschäftigt.
Ich wusste, dass es gerade für mich sehr schwierig wäre, eine Person um mich zu haben, die sich einmischen könnte, mir sagen könnte, was zu tun sei. Hätte ich eine Hebamme gefunden, der ich zu 100 % vertraut hätte, dass sie mir nicht sagt, was ich tun sollte, hätte ich sie wohl doch dabei gehabt. Vielleicht in der Küche sitzend und lesend, nur für den Fall, dass ich doch Hilfe bräuchte. Vielleicht mir mit einem Blick Kraft schenkend. Aber darauf konnte ich in diesem Fall nicht vertrauen.
Früher und noch zu Beginn der Schwangerschaft dachte ich mir, dass ich vielleicht erst bei der zweiten Geburt unassistiert gebären würde. Ich las während der Schwangerschaft sehr viele Geburtsberichte von unassistiert gebärenden Frauen, und fast alle entschieden sich nach ein oder mehreren negativen Erfahrungen mit assistierten Geburten zu einer Alleingeburt. Mit der Zeit fragte ich mich, warum ich mir überhaupt eine sehr wahrscheinlich negative Erfahrung antun sollte.
Die letzten Wochen vor der Geburt waren also von intensiver Beschäftigung mit dieser geprägt.

Meine Vorwellen wurden mit der Zeit intensiver und häufiger. Neun Tage vor der Geburt begann sich der Schleimpropf allmählich, über mehrere Tage hinweg, zu lösen. Mir wurde dadurch noch einmal bewusst, dass es bald losgehen würde, und ich begann im Zimmer alles vorzubereiten, letzte Bauch-Fotos zu machen und mich mit Futter für die Geburt und danach auszustatten. Plötzlich hatte ich den Drang, mich nochmals gesünder zu ernähren, ich wollte mehr essen und meine Kugel wurde deutlich runder. Ich hatte das Gefühl, dass sich mein Bauchbaby ordentlichen Speck für die Draußenwelt anlegen wollte.
Sieben Tage vor der Geburt gab's schon den ersten Fehlalarm. Ich hatte an dem Abend bereits alle 5 Minuten leichte Wellen und war mir unsicher, ob es nun losgehen würde oder nicht. Aber es wurde nicht intensiver, und ich legte mich zum Schlafen hin. Am nächsten Tag war wieder alles normal, leichte Wellen, und ich hatte dünnen Stuhl. (Letzteres dient der Vorbereitung auf die Geburt. Mit leerem Darm lässt es sich einfacher gebären. ;) …)

In den Tagen vor der Geburt hatte ich plötzlich zunehmende Sorgen, dass meinem Kind etwas fehlen könnte, sodass ich nicht zu Hause gebären können würde. Ich hatte bisher keinen Ultraschall machen lassen und war hin- und hergerissen, ob ich nicht doch einen machen lassen sollte, um für die Haus- und Alleingeburt sicher sein zu können. Am Tag vor der Geburt hatte ich einen Termin zur Anmeldung im Krankenhaus, für den Fall dass ich verlegt werden müsste. Dort habe ich dann einen weiteren Termin für einen Ultraschall machen lassen, welcher am Folgetag stattfinden sollte.

Eine Woche vor der Geburt.


In der Nacht darauf fiel es mir sehr schwer einzuschlafen. Ich schlief wohl irgendwann gegen 2 Uhr morgens ein und träumte von einem jungen Mann, von dem ich das Gefühl hatte, dass das mein Sohn sei. Um 3:30 Uhr wachte ich auf, da ich plötzlich zweimal einen kleinen Schwall Flüßigkeit zwischen meinen Beinen spürte. Mit einem Schlag war ich hellwach. Ich war mir erst nicht sicher, ob ich nicht plötzlich an Schwangerschafts-Inkontinenz litt, entsprechend ging ich auf‘s Klo um nachzusehen, was da aus mir rauskam. Es war durchsichtig und roch süßlich, so wie ich es vorher über Fruchtwasser gelesen hatte.
Ich war aufgeregt, aber dachte mir, dass es ja noch ein Weilchen dauern könnte, bis die Wellen beginnen. Also legte ich mich wieder hin, um noch einmal Energie zu tanken. Ich spürte eine Welle, blickte auf die Uhr und wollte dann weiter dösen. Als ich wieder eine Welle spürte und auf die Uhr schaute, erschrack ich, da der Abstand schon bei 3 Minuten war. Es würde also wie vermutet wahrscheinlich eine schnelle und intensive Geburt werden.
Ich weckte meinen Partner auf, wir standen auf und legten alles bereit. Nummern zum Anrufen, Snacks, Badewanne füllen, ein Gefäß, um die Plazenta darin aufzufangen usw. …
Ich legte mich in die Wanne, und zunächst beruhigte sich mein Bauch, jedoch nur für einen Moment, bevor es wieder losging. Anfangs war es angenehm in der Wanne, aber ich fühlte mich bald unwohl, weil ich mich nicht so recht bewegen konnte und ständig auf‘s Klo musste. Mein Darm war fleißig dabei, sich zu entleeren.
Ich probierte es danach auf dem Bett, aber auch da passte es mir nicht so recht. Ich ging wieder auf‘s Klo und wieder in die Wanne. Beim zweiten Mal in der Wanne wurden die Wellen sehr heftig. Plötzlich musste ich erbrechen. Doch da ich vorher viel gelesen hatte über den Geburtsverlauf, wusste ich, dass dies normal war, und einer Hebammen-Weisheit zu Folge war mein Muttermund nun wahrscheinlich etwa zur Hälfte geöffnet.
Ich machte mir Sorgen, wie alles verlaufen würde, wie lange es dauern würde, ob ich die Hebamme doch rufen müsste. … Diese Gedanken hielten mich davon ab, mich richtig auf die Geburt einzulassen, mich zu entspannen. Und dadurch fühlte sich die Energie der Wellen schmerzhaft an, aber ich spürte auch, dass sie sehr angenehm sein könnten, wenn ich mich auf sie einlassen könnte.

Mir hat es während all dessen sehr geholfen zu tönen und zu stöhnen. Ich war froh darüber, dass ich dies frei tun konnte. Diese Art von Stöhnen ist doch eine sehr private und intime Sache. Das vor Menschen zu tun, denen ich nicht nahe bin, fiele mir sehr schwer. An Nachbarn habe ich in der Situation allerdings nicht mehr gedacht. Mich hätte es verspannt, dabei Menschen direkt um mich zu haben. Aus den Augen, aus dem Sinn, galt hier.

Aber vor allem in der Wanne fiel es mir schwer, mich zu entspannen. Ich hatte nach wie vor ständigen Stuhldrang, aber mich im Badewasser zu erleichtern, war jetzt nicht so eine schöne Vorstellung. Das war ein weiterer Punkt, der mich verspannen ließ. Nach einem kurzen Anflug von Panik, weil ich mich während einer Welle in der Badewanne auf alle Viere drehen wollte, aber nicht konnte, und mich dadurch sehr schwach fühlte, verliess ich die Wanne endgültig.

Ich probierte es erneut auf dem Bett. Es gab einen Momemt, in dem ich ein wenig verschnaufen konnte, und als es wieder losging, hatten die Wellen sich in ihrer Art verändert. Bei den Wellen vorher wurde mein Muttermund geöffnet, und nun sollte das Kind hinunter und hinaus gedrückt werden. Das war um etwa 7:00 Uhr. Mein Panik-Anflug machte dadurch dann auch Sinn. Denn eine weitere Hebammen-Weisheit, die ich vorher gelesen hatte, besagt, dass Frauen sehr oft bei den letzten Eröffnungswellen das Gefühl haben, dass sie nicht mehr können, und Panik bekommen. Ich musste gegen Ende der Eröffnungswellen auch noch ein weiteres Mal erbrechen.
Es fühlte sich nun gut und angenehm an, mit den Wellen mitzudrücken. Ich konnte mit dieser Phase der Geburt deutlich besser umgehen. Ich schätze, dass beim Öffnen des Muttermundes Schwierigkeiten beim Entspannen besonders zum Tragen kommen.
Es war auf dem Bett immer noch nicht sonderlich gemütlich für mich, auch auf dem Boden hatte ich erfolglos zu hocken probiert. Ich wollte mich während der Wellen, die schnell stärker wurden, nach vorne beugen. In den Pausen wollte ich mich aber ausruhen. Das ständige Auf und Ab von einer Position in die andere lenkte mich aber ab. Und auch der permanente Stuhldrang ließ nicht nach. Als ich wieder auf die Toilette ging, entschloss ich mich, dort zu bleiben. Das war kurz vor acht. Es war perfekt für mich. Ich konnte mich nach vorne, aber zum Ausruhen auch ganz bequem nach hinten gegen die Wand lehnen.
Hätte ich nicht zuvor ein Video gesehen von einer Frau, die auch unassistiert ihr Baby auf dem Klo gebahr, wäre es mir wohl schwerer gefallen, diesen Gedanken anzunehmen, auf der Toilette zu bleiben.

Während der ganzen Zeit assistierte mir mein Partner und war damit meine Doula. Er brachte mir Wasser, Essen, meinen Lippenpflegestift, half mir mich an- oder auszuziehen, aus der Badewanne zu steigen usw. Das war sehr hilfreich für mich, und ich würde es nicht missen wollen.

Es wurde nun noch einmal anstrengend, und mein Drang mitzudrücken wurde sehr stark. Ich hatte vorher gelesen, dass es sich für viele Frauen angenehm anfühlte, zu diesem Zeitpunkt nach dem Kopf des Babys zu fühlen. Somit führte ich meine Finger ein und versuchte den Kopf zu ertasten. Was ich fühlte, beunruhigte mich jedoch. Es fühlte sich an, als sei der Kopf viel zu klein. Als der Kleine später draußen war, sah ich, dass sein Kopf lediglich von der Geburt verformt war. Aber in dem Moment machte ich mir Sorgen und hatte das Gefühl, ich müsste noch mehr drücken, um mein Baby bald richtig betrachten zu können. (Eine Sache, die ich mir vorher nicht bewusst gemacht habe: Der Babykopf kann sich unter Umständen ganz schön komisch anfühlen, und entsprechend sollte man sich überlegen, ob man überhaupt danach fühlen möchte.)
Also drückte ich erneut kräftig mit. Es war ein ziemlich wahnsinniges Gefühl. Ich habe mich sehr stark gefühlt, und hatte wieder mehr Energie.
Beim erneuten Tasten merkte ich, dass meine Haut arg spannt, und habe meinen Damm mit der Hand so gut es ging gestützt. Einen kleinen Riss an der Yoni („Scheide“) hatte ich dann dennoch. Aber zum einen war es nicht der Rede Wert, ich konnte schließlich direkt mein Baby in den Arm schließen, und das hat alles übertönt. Zum anderen hätte es sicherlich auch ganz ohne geklappt, wenn ich zu mehr Entspannung gefunden hätte und/oder die Massagen vorher konsequenter gemacht hätte. … So oder so fand ich den Riss nicht schlimm. Ich hab mir nur „Autsch“ gedacht, so wie wenn man sich an einer Tischkante stößt oder ein Pflaster abreisst.

Ich spürte dann den Kopf von N. Ich erhob mich ein Stück und hielt den Kopf mit beiden Händen. Mein Partner kam mir zur Hilfe und hielt ihn zusätzlich. Es verging kaum ein Moment, und dann flutschte schon der Rest des Körpers heraus. Mein Partner half mir, ihn auf meine Arme zu legen. Ich konnte feststellen, dass alles okay war, und mich über den Kleinen freuen. Ihn in meinen Armen zu halten, war der schönste Moment in meinem Leben, und die ganzen Anstrengungen zuvor waren vergessen. Er blickte mich hochkonzentriert an. Dieser Blick ist unbeschreiblich, und ich hoffe, dass die Erinnerung an diesen Moment und diesen Blick niemals verblasst.

 
Eineinhalb Stunden nach der Geburt.


Mein Partner rief die Hebamme direkt an, und sie war 15 Minuten später da. Zu der Zeit waren wir auf dem Bett, und ich bewunderte den Kleinen weiterhin. Meine Plazenta kam etwa 20 Minuten nach der Geburt, und die Nabelschnur wurde dann erst von meinem Partner durchtrennt. Die Hebamme nähte meinen Riss direkt und nur mit einer leichten, lokalen Betäubung. Ich frage mich im Nachhinein, ob das bei einem so kleinen Riss nötig gewesen wäre, und werde mich dahingehend für‘s nächste Mal informieren. Da ich nicht pinkeln konnte, bot mir die Hebamme an, mit Hilfe eines Katheters den Urin abzulassen. Ich stimmte zu, bereue dies allerdings. Es war sehr schmerzhaft, und ich hatte nur Schwierigkeiten mit dem Pinkeln, da die Hebamme mich unter Druck setzte und dabei mit im Raum war. Sobald sie weg war, konnte ich mich entspannen.
(Ergänzung: Wo ich meinen Bericht lange später wieder lese, frage ich mich, wie ich mit ihr eine einigermaßen entspannte Geburt hätte haben sollen, wenn sie mich zum einen nicht einmal alleine pinkeln liess und mich zum anderen ihre Anwesenheit so sehr verspannte.)

Auch in Sachen Stillen fühlte ich mich unter Druck gesetzt und unentspannt, und so kam es dann, dass ich am zweiten Tag zum Stillhütchen griff, da der Kleine nicht andocken konnte. Jetzt, nach 10 Wochen, sind wir wieder so gut wie weg von dem Ding, aber dennoch wünschte ich, es hätte gleich geklappt.
Ich hatte mich vor der Geburt mehr mit der Geburt als mit dem Stillen ausseinander gesetzt, und so wusste ich weniger, was beim Stillen zu tun ist, und ich habe mich dadurch leicht von der Hebamme irritieren und unter Druck setzen lassen. Sie empfahl mir Positionen, in denen es auch jetzt noch für mich nicht so leicht ist zu stillen (im Liegen oder aufrecht sitzend mit Baby orthogonal zu mir liegend – ich stille jetzt meist stark nach hinten gelehnt, halb liegend mit Baby schräg, fast parallel zu meinem Körper liegend, Bauch auf Bauch: auf YouTube findet man diese Position unter "laid back breastfeeding"), sie ging grob mit meiner Brustwarze um und versuchte, sie N. in den Mund zu stopfen. Desweiteren setzte es mich sehr unter Druck, indem sie so viel darüber sprach, dass es ja „immernoch“ nicht klappte, statt mir und N. Zeit zu geben. Ich kann es jetzt gut nachvollziehen, dass es weder mir noch ihm unter den Vorraussetzungen leicht fiel zu stillen.

Ich kann jeder werdenden Mutter nur empfehlen, sich auch mit dem Thema Stillen ausseinander zu setzen, um auch in dem Bereich selbstsicher sein zu können, und sich besser wehren zu können. Genau so wenig wie eine Kaiserschnittrate von 30 % bzw. eine so hohe Rate von „notwendigen“ Kaiserschnitten evolutionsbedingt Sinn macht, genau so wenig Sinn macht es, dass so viele Frauen auf Stillhütchen oder gar Abpumpen und Fläschchen angewiesen sind. Es gibt in beiden Fällen wirklich notwendige Eingriffe bzw. Hilfen, aber Frauen sollten die Unterstützung erhalten, die sie brauchen, um die unnötigen Eingriffe zu vermeiden.

Ich persönlich werde mir für das nächste Mal überlegen, ob ich nach der Geburt vielleicht lieber auch keine Hebamme rufe. Sollte ich bis dahin einen tollen Menschen finden, der mich so machen lässt, wie ich will, ist das alles eine andere Sache. Aber wenn ich keine geeignete Hebamme finde, ist Alleingeburt für mich die risikoärmste Art der Geburt. (Natürlich nur insofern, als dass keine gesundheitlichen oder anderweitigen Risiken bestehen.)

Alles in allem war die Geburt sehr schön, und die Schmerzen waren im Rahmen - ich hatte vorher in anderen Situationen schlimmere Schmerzen. Und ich bin mir sicher, dass auch diese Schmerzen größtenteils bis komplett vermeidbar sind durch weitere Schritte.

Folgendes werde ich beim nächsten Mal anders machen:

• Ich werde vielleicht gegen Ende der Schwangerschaft doch einen kurzen Ultraschall machen, damit ich während der Geburt besser entspannen kann. Gegen frühe Ultraschalle bin ich nach wie vor.
• Ich werde die Massage der Yoni und des Dammes in den letzten Wochen ernster nehmen. ;)
• Ich werde bis dahin daran arbeiten, mich besser einzulassen auf die Situation.
• Weil ich so aufgeregt war und es so schnell ging, habe ich einiges an entspannenden Dingen nicht gemacht, die ich hätte machen können: Musik anmachen, singen, tanzen, mich mehr auf Kuscheln mit dem Partner einlassen, scherzen und lachen - sodass alles entspannt und öffnet. :)
• Wie schon geschrieben, werde ich vielleicht auch nach der Geburt keine Hebamme rufen, sollte ich keine zu mir passende finden. Ich werde mir auf jeden Fall keinen Stress machen lassen, keinen Katheter legen lassen (sondern Ruhe einfordern) und mich bei einem leichten Riss evt. auch nicht nähen lassen, falls dies besser sein sollte.

Somit: Danke für's Lesen, und allen Schwangeren/Frauen mit Kinderwunsch eine selbstbestimmte und schöne Geburt!

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